Geschichte unserer Pfarre

Die Pfarrgemeindekirche zu Polling in Tirol ist eine kleine stilreine Barockkirche. Sie ist dem hl. Rochus und dem hl. Sebastian geweiht.

Die Kirche hat drei Altäre aus Holz. Markant sind auch die Deckenfresken, die verschiedene Situationen aus dem Leben des hl. Rochus darstellen. So zeigen sie neben anderem Rochus bei der Pilgerfahrt nach Rom oder wie er Brot von einem Hund erhält.

Der Bezug auf die Pestheiligen Rochus und Sebastian kommt nicht von ungefähr. Während einer Pestperiode in den Jahren 1634 bis 1636 errichteten die Pollinger am Standort der heutigen Kirche eine Kapelle und einen Friedhof um ihre Toten begraben zu können.

Jahre später (1668) wurde an dieser Stelle eine Kirche erbaut, die allerdings schon 1754 wegen Baufälligkeit wieder abgetragen und von Grund auf neu gebaut werden musste. Die Fertigstellung und Einweihung des neuen Gotteshauses erfolgte Überlieferungen zufolge 1761.

Viele Informationen zur Geschichte der Gemeindekirche sowie zur Situation der Gemeindebürger stammen von Dokumenten, die in der goldenen Kugel auf der Kirchturmspitze unterhalb des Wetterhahnes aufbewahrt sind. Angeblich sollen weitere Dokumente unter einem Kirchenfenster eingemauert sein. So heißt es z. B. in einem Dokument aus dem Jahre 1818:

„Heut wird auf den neu reparierten Thurm des hießigen Gotteshauses der Knopf mit Feyerlichkeit unter Begleitung der Dorfmusick aufgesteckt. Ungeachtet der harten Zeiten und des gegenwärtigen schweren Druckes thaten sich Gutthäter in hießiger Gemeinde hervor. Die ganze Gemeinde strengte einhellig ihre Kräfte an, und so wurde mit Gottes Hilfe, bis daher ohne Unglück, die Mauer des Thurms um einige Klafter erhöht, das Kuppeldach neu darauf gestellt, und grün bemalen.

In eben diesem Jahr hat die hießige Gemeinde eine 642 Pfund schwere Glocke gekauft. Allein einige Freudentrunkene und Neugierige wurden so sehr und oft gereitzt den lieblichen Ton derselben zu hören, bis endlich ein ungeschickter Hammerschlag dieselbe, noch ehevor sie aufgehenkt worden, zersprengte. Dadurch wurde die Gemeinde veranlaßt, diese schöne Glocke neu umgießen zu lassen, noch eine andere kleine einzukaufen, und die 2 alten Glöcklein in eine Mittlere für hießiges Gotteshaus zusammenzuschmelzen…“

Trotz des Missgeschickes haben alle vorliegenden Dokumente aber eines gemeinsam: Sie erzählen von den unterschiedlichen Generationen, „die durch die zur Sache herrschenden Einigkeit stark wurden solche Werke unter oft mißlichen Verhältnißen zu vollbringen……“
„……..Wie sehr unsere Väter die Zirde des Hauses des Herrn liebten, wird man erst dann einsehen und zu würdigen wissen, wen man Zeit und Umstände betrachtet, zu welcher die Taten unternommen wurden. Schwer lasteten noch die Kriegswehen auf die Steuerschuldner, und zu diesen geselten sich noch Mißjahre, welche einen solchen harten Druck auf die Bevölkerung außübte, daß sich sozusagen sogar wohlhabende Leute genötighet sahen am Hungertuche zu nagen und es scheint doch stets eine Siegerin geblieben zu sein, nämlich die, das Haus des Herrn im wohnlichen geordneten Zustande zu erhalten…“

Im 19. und im 20. Jahrhundert wurden in regelmäßigen Abständen Renovierungsarbeiten an der Kirche durchgeführt. Der Lauf der Zeit, regelmäßiger Zerfall oder Unwetter sind die Ursachen dafür. Die letzte größere Renovierung fand 1982 statt. 2003 wurden die Kirchenorgel renoviert, die Kirchenfenster getauscht und Malerarbeiten durchgeführt. Im Jahr 2005 bekam die Kirche ein neues Schindeldach sowie die traditionelle Neubemalung des Turmkopfes in der Farbe grün.

Übrigens wucherte früher rund um die Kirche nur Gras, und kein einziges Grabkreuz war zu sehen. Der Grund dafür war, dass Polling eine Filialkirche der Pfarrkirche von Flaurling war. Die Toten von Polling wurden also im Flaurlinger Friedhof begraben. Im Jahre 1952 bekamen die Pollinger ihren eigenen Friedhof.

Zur heutigen Kirche gehören ein Friedhof, eine Aufbewahrungskapelle und ein Denkmal für die Gefallenen des ersten und zweiten Weltkrieges. Der Kirchturm ist 33 Meter hoch.

Den drei Glocken des Kirchturms sind Glockensprüche gewidmet:

Große Glocke: So oft meine Töne vom Turme erschallen
so sei aus den Klängen das Eine gehört.
Ein treues Gedenken für die, die gefallen,
ein Dank für die, die uns wiedergekehrt.
Mittlere Glocke: Sankt Wendelin, Isidor, Florian,
nehmt gnädig euch unserer Sorgen an
und schirmt uns Haus, Hof und Flur und Feld
und segnet was Fleiß und Schweiß bestellt.
Kleine Glocke: Dem Herrn der Welten diene ich in Reinheit und Treue.

Architektur- und Kunstkenner bezeichnen die Kirche zu Polling in Tirol manchmal als äußerst wertvollen Schatz, dessen wahrer Wert gelegentlich verkannt wird. Allerdings kann man den wahren Wert nur dann ermessen, wenn man die Kirche einmal von innen betrachtet.