Das Pollinger Gemeindewappen zeigt auf grünem Hintergrund einen silbernen schräglinken Wechselzinnenbalken und erinnert damit daran, dass in einem vor hunderten von Jahren begonnenen, mühevollen und aufopfernden Kampf dem Inn ein nicht unwesentlicher Teil des heutigen Gemeindegebietes abgerungen werden konnte.

Das silberne Schrägband mit den angedeuteten Zinnen – oder besser Sporen – ist demnach eine Erinnerung an den bedeutendsten Teil der Gemeindegeschichte.Das Band symbolisiert den Inn, die grüne Fläche den Kulturgrund. Die Kultivierung des Gemeindegebietes von Polling ist eine Geschichte des Kampfes mit dem Inn.

Noch in einer älteren Karte des Oberperfer Kartographen Peter Anich lassen sich die Ausmaße, die der Inn bei Polling hatte, erkennen: Mehrere Seitenarme bildeten ein riesiges Augebiet das sich einst bis zur heutigen Landstraße erstreckt hat. Ein Hauptgrund für die Eignung als Augebiet oder auch Überschwemmungsgebiet mag die Tatsache gewesen sein, dass der Talabschnitt nur an den Enden im Süden und im Norden an Anhöhe gewinnt und dass das Verlaufgefälle des Flusses äußerst gering ist. Das Gefälle ist im Gebiet zwischen Telfs und Zirl weniger als 1 Meter pro Kilometer Länge.

Auch wenn der heutige Verlauf des Inns und vor allem die steinerne Uferverbauung größtenteils im vergangenen Jahrhundert entstanden ist, so gehen die Anstrengungen der Landgewinnung bis ins 14. Jahrhundert zurück. Damals hatte der sogenannte Archenbau zentrale Bedeutung in der Gemeinde. Als „Archen“ bezeichnete man in Tirol die Uferschutzbauten. Der Vergleich mit der Bibel kommt nicht von ungefähr – die Arche Noah (lat.: arca = Kasten) war nach dem biblischen Buch Genesis, Kapitel 6-9 ein von dem Patriarchen Noah gebauter schwimmfähiger Kasten. Die Innarchen waren natürlich nicht schwimmfähig, aber sie erlauben den Vergleich in der Technik und auch in der Dimension, auch sie waren aus Baumstämmen gefertigte, blockhausartige große Kästen, wurden zusätzlich mit Steinen hinterfüllt und versuchten so der Gewalt des Flusses zu trotzen.

Man unterschied zwischen „streichenden“ und „werfenden“ Archen: Die „streichenden“ oder auch „Leitarchen“ genannt, verliefen entlang der Flußströmung mit dem Zweck, das bereits gewonnene Land vor Unterspülung oder Abschwemmung zu schützen. Die „werfenden“ Archen hingegen waren Sporen, die in die Strömung in rechtem oder stumpfem Winkel hineinragten und das Wasser weiter zur Strommitte oder gar auf die andere Seite hin abdrängen oder „werfen“ sollten. Den Überlieferungen nach dürften die Pollinger damals schon recht gründlich gewesen sein. Im Bestreben das eigene Land weitgehend vor möglichen Überschwemmungen zu schützen, haben gerade die „werfenden“ Archen den Effekt erzeugt, bei Hochwasser den Inn auf die gegenüberliegende Seite abzudrängen, um so die Felder und Wiesen der nördlichen Nachbarn zu fluten. Verständlich, dass die Pettnauer begannen, Gegenarchen zu bauen oder zu Gericht eilten.

Im Soge dieser aufeinanderprallenden Interessen der Ufergemeinden musste 1418 eine Sonderkommission des Landesfürsten, mit Residenz in Schloss Tirol bei Meran, eingesetzt werden, weil örtliche Gerichte oder Verwaltungsbeamte diesem Konflikt nicht mehr gewachsen waren. Diesem länger andauernden Verfahren und der, damals nicht üblichen, ausführlichen Protokollierung verdanken wir die Informationen, die uns heute vorliegen. Diese Überlieferungen sind Kenntnisse zur damaligen Wasserbautechnik, die Verhältnisse im Allgemeinen in diesem Inntalabschnitt und nicht zuletzt das Vermächtnis eines der ältesten Tiroler Rechtsverfahren.

Der zu jener Zeit erfolgte Schiedsspruch legte übrigens detailgenau die Art und Weise der Schutzverbauung fest. Das Konzept dürfte aber funktioniert haben, weil in Folge große Kulturgründe auf beiden Seiten des Flusses erobert werden konnten. Allerdings waren in späterer Zeit immer wieder Rückschläge zu erleiden, wenn der Inn bei Hochwasser über die Ufer trat. Wenn man bedenkt, dass die Schaffung und Erhaltung von Kulturgrund in unserer Zeit leider nicht mehr diese Bedeutung hat, so ist doch festzustellen, dass durch den Jahrhunderte währenden Kampf mit dem Inn auch der Eisenbahnlinienbau diesseits und der Autobahnbau jenseits des Inns ermöglicht wurde.

Demnach war es im Jahre 1985 sicher eine gute Entscheidung der Gemeinde, diese Anstrengungen zu würdigen und mit der Wahl genau diesen Gemeindewappens ein sichtbares Zeichen zu setzen. Nach dem Antrag seitens der Gemeinde und dem Beschluss der Landesregierung in der Sitzung vom 18. Juni 1985 konnte die Wappenverleihung am 21. Juli 1985 zelebriert werden.